„Wir bleiben vorsichtig optimistisch“

Ein starker Welthandel und die außergewöhnlich hohe Nachfrage nach Containertransporten hat Hapag-Lloyd im ersten Quartal 2021 im Jahresvergleich einen kräftigen Schub beschert: Die Hamburger Reederei konnte einen Gewinn vor Zinsen und Steuern (EBIT) von mindestens 1,25 Milliarden Euro verbuchen.

Rolf Habben Jansen, CEO von Hapag-Lloyd, erklärt im Interview, wie das Unternehmen vom Wachstum Asiens profitiert und welche Ziele es sich steckt.

Der Standardcontainer, sechs Meter lang, ist Symbol und vor allem Kernstück des Welthandels. Was hat Corona mit ihm gemacht?

Die Auswirkungen der Pandemie waren alles andere als geradlinig. Nach einem anfänglichen Rückgang der Transportmengen zu Beginn der Pandemie haben wir in den Folgemonaten eine Entwicklung erlebt, die in diesem Ausmaß nicht vorhersehbar war. Aufgrund der weltweiten Lockdowns verlagerten sich die Konsumausgaben weg von Dienstleistungen hin zu Konsumgütern. Wir erleben eine entsprechend enorm hohe Nachfrage nach Produkten aus Fernost, die ab dem dritten Quartal 2020 zu einem massiven Anstieg des Transportvolumens führte – und letztlich zu Engpässen und extremer Knappheit an verfügbarem Equipment. Diesen Umstand beobachten wir bis heute. Die Nachfrage ist zwar groß, jedoch mangelt es deutlich an Containern.

 

Hohe Frachtraten und niedrige Kraftstoffpreise haben diese Entwicklung begünstigt. Welche Perspektiven erwarten Sie hier für die Zukunft?

Ein Blick in die Glaskugel ist sehr schwierig, vor allem bei diesen volatilen Marktbedingungen und den aktuellen infrastrukturellen Herausforderungen. Erschwerend kommt hinzu, dass die Entwicklung der Pandemie weiterhin ungewiss bleibt – trotz der voranschreitenden Impfungen. Dennoch bleiben wir vorsichtig optimistisch und gehen davon aus, dass sich die Nachfrage nach Containertransporten weiterhin auf einem hohen Niveau bewegen wird. Ebenso erwarten wir einen leichten Anstieg der Frachtraten und Kraftstoffpreise, ehe es dann im Laufe des zweiten Halbjahrs 2021 zu einer schrittweisen Normalisierung kommen dürfte.

 

Unabhängig von der Pandemie: Wie hat die Hamburger Reederei Hapag-Lloyd vom Wachstum Asiens profitiert?

Bei Hapag-Lloyd wurde früh das Wirtschaftspotenzial Asiens und der Bedarf an Transporten über den Seeweg erkannt. Besonders China spielt als größte Exportnation der Welt in unseren Fernostverkehren eine zentrale Rolle.

 

Welche Rolle spielen die Incoterms für Hapag-Lloyd?

Für uns als Carrier sind die Incoterms ein bedeutendes und international anerkanntes Regelwerk, da es gleichermaßen den Kosten- und den Gefahrenübergang regelt. Sie sind zwar nicht Grundlage für unsere Seefrachtverträge, können aber wichtige ergänzende Elemente sein. Es könnte sein, dass die Globalisierung nicht mehr in der gleichen Geschwindigkeit voranschreiten wird. Ebenso ist es möglich, dass sich die weltweite Produktion etwas mehr regionalisiert. Allerdings glaube ich nicht, dass wir in naher Zukunft unsere Kleidung, Sportgeräte oder Möbel wieder gänzlich in Deutschland produzieren werden. Anstelle eines Endes der Globalisierung ist eher eine langsame Verschiebung der Produktionsstandorte vorstellbar, zum Beispiel von China nach Indien.

 

Welche Ziele setzen Sie sich für 2021, und wie wollen Sie diese erreichen?

Während wir auch weiterhin wachsen wollen, spielt unser Qualitätsanspruch eine übergeordnete Rolle. Unser Ziel „Number One for Quality“ ist nicht nur eine leere Phrase, sondern wird von uns allen gelebt. Uns ist bewusst, dass dieses Versprechen angesichts der derzeitigen infrastrukturellen Schwierigkeiten äußerst ambitioniert ist. Doch wir wollen uns der Herausforderung stellen und unseren Kundinnen und Kunden auch im Jahr 2021 einen bestmöglichen Service bieten.

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