Transparenter Hafentransport

Mit einer ganzheitlichen Plattform für Exportmanagement will Softwarespezialist DAKOSY die Zusammenarbeit aller Akteure, die am Export über den Hamburger Hafen beteiligt sind, noch effizienter gestalten: Das Projekt wurde gemeinsam mit Praxispartnern konsequent an den Anforderungen der Exportkette ausgerichtet.
Im Hamburger Hafen laufen unendlich viele Fäden zusammen: Im drittgrößten Containerhafen Europas wurden 2019 136,6 Millionen Tonnen Waren aus aller Welt umgeschlagen. Das Softwareunternehmen DAKOSY hat mit dem „Port Community System (PCS)“ bereits vor 35 Jahren eine neutrale Kommunikationsplattform dafür geschaffen. Um die Waren bereits zu erfassen, wenn sie auf die Tore Hamburgs zulaufen, wird derzeit eine ganzheitliche Plattform für Exportmanagement entwickelt, die als internetfähige Cloud alle Informationen, die den Transport betreffen, an einer zentralen Stelle, mit großer Planungssicherheit und Transparenz für alle berechtigten Akteure zur Verfügung stellen soll.

Verspätungen frühzeitig transparent machen

Seit 2017 arbeitet Dakosy gemeinsam mit den Projektpartnern DB Cargo und Kühne + Nagel an der „Export Management Platform 4.0“. Das BMVI-geförderte Vorhaben ist im Herbst 2020 in die Pilotphase gestartet.. Der größte zusätzliche Nutzwert, den sich die Akteure von der Plattform versprechen, ist der Soll-Ist-Abgleich im Transportablauf. Dadurch können Störungen wie Verspätungen frühzeitig transparent gemacht werden, sodass man schnell darauf reagieren kann: Umbuchen, Stellplätze freigeben oder den Container erst später auf den Weg schicken, um Wartezeiten zu vermeiden.

An einem Exportvorgang sind bis zu 15 Akteure beteiligt: von Versendern und Spediteuren über Eisenbahnunternehmer oder Binnenschiffer bis hin zu Reedern. Jeder von ihnen besitzt Informationen über seinen Transportabschnitt. Diese werden digital oder oft noch auf Papier erfasst. Drittbeteiligten, mit denen der jeweilige Akteur nicht in einem Vertragsverhältnis steht, ist der Zugriff auf seine Daten in der Regel verwehrt. So werden beispielsweise bisher weder der Reeder noch das Terminal automatisch informiert, wenn sich ein Container im Vorlauf verzögert. „Je früher jedoch diese Stellen davon wissen, desto besser können sie planen“, sagt DAKOSY-Vorstand Ulrich Wrage. „Je eher die Informationen kommen und je umfangreicher und genauer sie sind, umso besser und effizienter kann die ganze Transportkette agieren. Und je schneller ein Logistiker seine Kapazitäten auf kurzfristige Änderungen anpassen kann, desto wirtschaftlicher kann er agieren. Letztendlich profitieren alle Kunden des Hafens davon, wenn ihre Sendungen ohne zeitliche Verzögerungen exportiert werden können.“

Prozesse prüfen, anpassen und ergänzen

Bei der Entwicklung der „Export Management Platform 4.0“ steht neben der technischen Umsetzung im Vordergrund, alle Beteiligten einzubeziehen: „Es geht immer darum, die sogenannten Stakeholder – in diesem Falle Verlader, Spediteure, Verkehrsträger, Behörden und Terminals – an einen Tisch zu holen und mit ihnen gemeinsam zu erarbeiten, wie der Prozess digital unterstützt werden kann“, so Wrage. Auf diesem Weg dürfe man nicht den Fehler machen, Prozesse, die bisher auf dem Papier existierten oder auch digital schon gut funktioniert haben, zu kopieren. Vielmehr müsse man die Gelegenheit nutzen und prüfen, ob ein Prozess überhaupt noch passt oder aber ergänzt werden muss. Das könne Monate dauern, denn es bedeute, immer wieder neue Runden zu drehen, um Erkenntnisse aus den Gesprächen umzusetzen, etwas zu überarbeiten und einen Konsens zu erzielen. „Als IT-Anbieter sollten Sie sich niemals nur eigene Gedanken machen, wie es denn wohl richtig sein müsste, und die Beteiligten dann vor vollendete Tatsachen stellen. Das funktioniert bei einer Community in der Regel nicht.“
Nur gemeinsam und mit viel Geduld kann man die Synergieeffekte ausfindig machen, die entlang einer Exportkette möglich sind. In Workshops mit DAKOSY wurden 14 Anwendungsfälle definiert. Sechs von ihnen, die den größten Nutzwert versprechen, werden im Pilotbetrieb getestet: die Sendungsverfolgung entlang der Transportkette (Track and Trace), der Soll-Ist-Abgleich (Trouble Shooter), ferner die Gefahrgutregistrierung, die Dokumentencloud und die Leercontainerfreistellung sowie Schiffsabfahrten und -ankünfte.

„Es hat sich in der Logistik schon durchgesetzt, dass offene Plattformen und Cloudlösungen das Mittel der Wahl sind. Dennoch ist es kein Selbstgänger. Ich sage immer: Man muss trotzdem missionieren.“

Ulrich Wrage, DAKOSY-Vorstand

Anbindung einfach und transparent gestalten

Derzeit läuft die Programmierung der Exportmanagement-Plattform; im folgenden Schritt werden die ersten Kunden sie dann als Piloten testen. „Die nächste Herausforderung liegt darin, die Unternehmen dabei zu begleiten und zu unterstützen, die Plattform auch zu nutzen und sich anzubinden“, erklärt Ulrich Wrage. „Gerade bei einem freiwilligen Format wie diesem müssen die Nutzer umso deutlicher erkennen, welche Vorteile die Neuerung für sie bedeutet.“ Das System bietet offene Schnittstellen, die eine Anbindung an die internen Softwaresysteme der beteiligten Unternehmen möglichst einfach und transparent gestalten. „Dabei spielt uns in die Karten, dass der Plattformgedanke in der Logistik bereits angekommen ist: Es hat sich durchgesetzt, dass offene Plattformen und Cloudlösungen das Mittel der Wahl sind. Dennoch ist es kein Selbstgänger“, so Wrage. „Ich sage immer: Man muss trotzdem missionieren.“

Das „Port Community System“ von DAKOSY läuft seit 1983 und hat sich kontinuierlich weiterentwickelt. „Die technologische Evolution passiert permanent. Dabei achten wir darauf, dass die Schnittstellen möglichst erhalten bleiben, um den rund 2.000 Unternehmen, die angebunden sind, eine Kontinuität zu bieten.“ Für die neue Exportmanagement-Plattform kann Wrage sich vorstellen, den Radius in Zukunft noch größer zu ziehen und bereits außerhalb von Deutschland Daten zu erfassen. Das geschehe heute teilweise schon, beispielsweise bei der Ermittlung der voraussichtlichen Ankunft eines Schiffes. Am wichtigsten ist für den DAKOSY Vorstand, dass die Plattform den Sprung „aus dem Hafen heraus“ ermöglicht: „Bisher haben wir den Hafen in seiner Optimierung unterstützt, und das hat sich gut etabliert. Jetzt gehen wir weiter raus und fangen da an, wo der Transport entsteht und startet.“

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